motorradruegen.de
Motorrad fahren auf Rügen Rügen

Motorradregion Rügen9 Strecken

Motorrad fahrenauf Rügen

Der Motorrad-Guide für Rügen: kurvige Alleen und Küstenstrecken, Kreidefelsen am Königsstuhl, Kap Arkona, Prora und die Seebäder, Werkstätten, Hotels, Anreise über die Rügenbrücke.

Wer Kurven und Höhenmeter sucht, denkt an den Alpenrand, nicht an die Ostsee. Rügen ist trotzdem ein Motorradrevier mit eigenem Charakter: 926 Quadratkilometer zwischen Ostsee und Bodden, aufgeteilt in drei Halbinseln, verbunden durch Alleen, Nehrungen und kleine Fähren. Gefahren wird hier nicht gegen den Berg, sondern durch die Landschaft — mit dem Meer fast immer in Sichtweite.

Feldweg-Etappe auf Rügen
Feldweg-Etappe auf Rügen

Der Zugang ist unspektakulär und genau deshalb reizvoll. Bei Stralsund quert die B96 den Strelasund; zwei Bauwerke liegen dort nebeneinander — der ältere, flache Rügendamm von 1936 mit Straße und Schiene und die 2007 eröffnete Rügenbrücke mit 40 Metern Durchfahrtshöhe für die Schifffahrt. Über diese eine Achse rollt der Verkehr auf die Insel, von der Brückenrampe an ist man drauf. Die B96 bleibt danach die Hauptschlagader: an Bergen auf Rügen vorbei, weiter über Sagard bis nach Sassnitz, wo sie endet. Wer nach Süden will, biegt bei Bergen auf die Landstraße Richtung Putbus und Garz ab.

Den Streckencharakter muss man nüchtern nehmen. Rügen ist überwiegend flach; die höchste Erhebung, der Piekberg in der Stubnitz, misst gerade 161 Meter. Serpentinen und Passhöhen gibt es nicht. Was das Revier trägt, sind die langen, baumgesäumten Landstraßen. Auf Rügen beginnt die 2.900 Kilometer lange Deutsche Alleenstraße, und das prägt das Fahrgefühl: Kilometer um Kilometer unter geschlossenen Baumkronen, dazwischen weiter Blick über Raps- und Getreidefelder, dann wieder ein Waldstück. Die Kurven sind sanft, oft kaum mehr als Richtungswechsel zwischen den Alleebäumen — dafür wechselt die Kulisse alle paar Kilometer.

Drei Halbinseln geben dem Revier seine Gliederung, und jede fährt sich anders. Jasmund im Nordosten ist das bewegteste Terrain: Das Waldgebiet der Stubnitz zieht sich über sanfte Hügel bis an die Kreideküste, hier liegen die einzigen nennenswerten Anstiege und das dichteste Grün. Wittow ganz im Norden ist das Gegenteil — offen, baumarm, landwirtschaftlich; die Einheimischen nennen es „Windland". Wer über die schmale Nehrung der Schaabe dorthin fährt, spürt den Seitenwind auf der geraden Küstenstraße deutlich. Mönchgut im Südosten schließlich ist kleinteilig: enge Sträßchen, kleine Fischerorte, ständige Boddenblicke. Dazwischen liegen die Bäderorte Binz, Sellin und Göhren mit ihrer weißen Bäderarchitektur.

Landstraße auf Rügen mit Radarkuppel am Horizont
Landstraße auf Rügen mit Radarkuppel am Horizont

Prägend ist der Gegensatz zweier Küsten. Die offene Außenküste zur Ostsee zeigt Steilufer, Kliffs und Wellenschlag; die innere Boddenküste ist flach, still und von Schilf gesäumt. Viele Landstraßen pendeln zwischen beiden Welten, und der Wechsel kommt oft binnen Minuten — eben noch salzige Brise über der Steilkante, kurz darauf windgeschützte Enge am Bodden. Dazu der Takt der Alleen: In den Baumreihen gilt vielerorts reduziertes Tempo, Ortsdurchfahrten reihen sich dicht, Wild und langsame Landmaschinen gehören zum Bild. Wer hier drückt, gewinnt kaum Zeit und verliert die Aussicht, für die er gekommen ist.

Zum Inselgefühl gehören die Fähren. Nach Wittow führt neben der Schaabe die kleine Autofähre Wittower Fähre über den Bodden, von Vaschvitz zum Wieker Ortsteil gleichen Namens — eine Abkürzung, die Wartezeit gegen Umweg tauscht. Im Süden verkürzt die Glewitzer Fähre zwischen Glewitz auf dem Zudar und Stahlbrode auf dem Festland den Weg, eine ruhige Alternative zur Brücke. Und dann kreuzt immer wieder der Rasende Roland die Straße: Die schmalspurige Dampfeisenbahn mit 750 Millimetern Spurweite fährt seit 1895 zwischen Putbus, Binz, Sellin und Göhren — an ihren Bahnübergängen heißt es warten und schauen.

Eine Besonderheit kennt fast nur der Norden. Direkt vor Rügen liegt die autofreie Nachbarinsel Hiddensee; Kraftfahrzeuge sind dort nicht zugelassen, erreichbar ist sie nur per Fahrgastschiff. Fürs Motorradrevier heißt das: Hiddensee ist ein Blickfang am Horizont, kein Fahrziel. Auf Rügen selbst dagegen ist praktisch jede Ecke erfahrbar — von der Brückenrampe bei Stralsund bis zur Nordspitze bei Putgarten sind es keine 90 Straßenkilometer, und trotzdem reicht ein Tag kaum, um alle Abzweige mitzunehmen.

Motorrad fährt an einem blühenden Mohn- und Kornblumenstreifen entlang
Mohnblüte am Straßenrand

Das Wetter gibt der Insel ihren eigenen Takt. Das Reizklima der Ostsee bringt frische Luft und an der Küste überdurchschnittlich viel Sonne; zugleich ist der Wind ein ständiger Begleiter, besonders auf dem offenen Wittow und über der Schaabe. Für Motorradfahrer: In den geschützten Alleen und Wäldern der Stubnitz fährt es sich ruhig, an den exponierten Küstenabschnitten sollte man auf Böen gefasst sein. Das Kopfsteinpflaster der historischen Orte wie Putbus oder des Fischerdorfs Vitt wird bei Nässe glatt — hier ist Zurückhaltung angebracht. Frühjahr und Herbst sind fahrerisch oft die dankbarsten Zeiten: mildes Licht, blühende oder gefärbte Alleen und deutlich weniger Verkehr als im Ferienhochsommer.

Was das Revier ausmacht, ist am Ende die Verdichtung auf kleinem Raum. Die Insel lässt sich an einem langen Tag umrunden, und doch wechseln die Kulissen im Halbstundentakt: die Kreidesteilküste am Königsstuhl, die windige Steilküste am Kap Arkona, der Fernblick vom Jagdschloss Granitz, die klassizistische „weiße Stadt“ Putbus, die Seebrücken der Bäderorte. Schnell fährt sich das nicht, und Kehren und Höhenmeter bietet die Insel nicht. Was sie bietet, ist ein Revier, das man in einer Woche kennenlernt und an einem Tag nicht ausfährt.

Dein Rügen-Guide

Beliebte Touren auf Rügen

Mecklenburg West – Ostsee
200 km

Mecklenburg West – Ostsee

An der Ostseeküste genossen wir Motorradtouren über Inseln und durch das Mecklenburgische Hinterland gleichermaßen – Tourentipp vom M&R Lesertreffen Ostsee 2018

Reif für die Insel: Rügen

Reif für die Insel: Rügen

Einmal rund um Rügen, so lautet das Motto dieser Tour, die sich spannender gestaltet, als man glaubt.

Mohnblüte: Rügen

Mohnblüte: Rügen

Wunderschöne rote Felder, sie läuten jedes Jahr den Sommer ein und bieten ein zauberhaftes Naturschauspiel. Schon allein dafür, lohnt sich ein Motorradausflug.

Alle 9 Rügen-Touren mit Karte und GPX-Track im Tourenportal von Motorrad & Reisen.Motorradtouren auf Rügen mit GPX-Tracks

In der Nähe

Benachbarte Motorradregionen – weitere Strecken-Guides aus dem Netzwerk:

Motorrad Usedom Motorrad Ostsee Motorrad Mecklenburg